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Wirtschaft
regional
KMU internationalisieren
Immer mehr KMU entdecken die
Vorteile des Wirtschaftsstandortes Asien und
expandieren beispielsweise nach China um günstiger
zu produzieren oder gewichtige Marktanteile gewinnen
zu können.
Der Begriff
Internationalisierung umschreibt die fortlaufende
Vernetzung internationaler Wirtschaftsprozesse und
ist vor allem durch immer höhere Mobilität,
schnelleren Informationsaustausch und verbesserte
Technologie möglich. National gesehen haben dies
viele Konzerne in den vergangenen Jahren bemerkt und
zu ihrem Nutzen gemacht. Aber auch regional gesehen
wagen immer mehr KMU den Schritt in den fernen
Osten, dies aus diversen Gründen. «Nach China
gehen die meisten Unternehmen wegen kostengünstiger
Produktionsmöglichkeiten, aus Nähe zu bestehenden
und potentiellen Geschäftspartnern oder um sich in
diesem wachsenden Markt frühzeitig zu
positionieren", weiss Dr. Barbara Fuchs,
Dozentin der Hochschule Liechtenstein.
Den Schritt wagen
Die Liechtensteiner Firma
NT-Instruments, deren Kerngeschäft das Herstellen
von Testinstrumenten für Audiosysteme ist, hat den
Schritt ins Ausland aus Notwendigkeit für den
globalen Vertrieb gewagt. Dazu der Inhaber Phillip
Schwizer: «Als Testsystem-Lieferant für die
Mobiltelefon-Industrie können wie es uns nicht
leisten, nur auf Teilgebieten des globalen Marktes tätig
zu sein. Zudem ist das Audio-Messtechnik Business
vom Marktvolumen her zu klein, um nur mit einer
partiellen geografischen Abdeckung eine
professionelle Entwicklungs-Infrastruktur aufrecht
zu erhalten.» NT-Instruments hat sich somit den
immer globaler vernetzten Märkten angepasst und mit
den Standorten Boston und Tokyo sowohl in Amerika
als auch in Japan Fuss gefasst. «Wir müssen dort
mit Kompetenz vertreten sein, wo die Technologien
entwickelt und die Test-Strategien definiert werden.
Dies sind schwergewichtig Europa, Japan und die
USA.» Zusätzlich zur Nähe an die
Technologiehochburgen haben NT-Instruments auch in
China Geschäftstätigkeiten aufgenommen. «Für
uns ist es enorm wichtig ein robustes
Support-Standbein aufzubauen, wo die Prüfsysteme
eingesetzt und gewartet werden. Am optimalsten können
wir dies in China tun», ergänzt Schwizer.
Branchenabhängigkeit
Gemäss Statistiken gibt es
immer mehr Unternehmen, die sich mit dem Gedanken
herumschlagen, ins Ausland zu expandieren. Hier
stellt sich die Frage, für welche Branchen sich
eine Internationalisierungsstrategie per se lohnt. Daniel
Isler, CEO von Fargate,
ein Unternehmen, welches KMU im
Internationalisierungsprozess unterstützt, meint: «Eine Internationalisierung von Prozessen lohnt
sich meist für Branchen, in welchen es
Nischenprodukte mit sehr hohen Qualitätsanforderungen
gibt. Idealerweise sollten die Produkte aus
Sicht des Kunden Eigenschaften aufweisen können,
die man auch in der Schweiz schätzt. Es sind dies
Zuverlässigkeit, Präzision, Qualität, Tradition,
Sauberkeit und Nachhaltigkeit.»
Fargate
ist für KMU beim Schritt ins Ausland behilflich.
Dabei arbeitet das Unternehmen mit rund 150
Satelliten in 40 Ländern zusammen. Diese Satelliten
sind markt- und geschäftserprobte Vertragspartner,
welche die Anbahnung der internationalen Geschäfte
vor Ort in den entsprechenden Zielmärkten
bewerkstelligen. Damit will man viele potentielle
Schweizer Firmen ermutigen, den Gedanken 'Ausland' oder
'Export' weiter zu spinnen.
Wer beim Gedanken 'Ausland' gleich an China
denkt, liegt aber falsch. «Erstaunlicherweise wird
die China-Suppe in der Praxis nicht so heiss
gegessen, wie sie in den Medien gekocht wird»,
sagt Isler. Das heisst, dass der typische kleinere
oder mittlere Betrieb grossen Respekt vor dem
grossen Markt hat und lieber einen sichereren
Schritt in ein kleineres, aber überschaubares Land
wie etwa in Osteuropa macht. In der Tat weckt
China mit einer Bevölkerung von 1.3 Milliarden
Menschen und einem durchschnittlichen Wachstum von
acht Prozent eher das Interesse von multinationalen
Unternehmen. Nichtsdestotrotz haben schon einige KMU
nach erfolgreicher Expansion in andere Länder den
Schritt nach China erfolgreich bestanden. Ein
positives Beispiel dafür ist die Westschweizer
Firma Lauener, die in kürzester Zeit ihre
Produktion erfolgreich in Shanghai erweitert hat.
Guanxi
'Going International' heisst
allerdings auch, sich mit den Facetten und lokalen
Gegebenheiten der jeweiligen Länder
auseinanderzusetzen. Besonders in Asien ist alles
etwas anders und entspricht oft nicht der westlichen
Logik. Phillip Schwizer sieht sich damit fast täglich
konfrontiert: «Obwohl unsere Prozesse recht gut
aufeinander abgestimmt sind, fehlt oft die Rückmeldung
ob die Information auch so angekommen ist, wie das
ursprünglich beabsichtigt war.» Weiters spricht
er die massiv grössere Hektik im Tagesgeschäft
China an. Diese Hektik ist aber nicht prinzipiell
auf das grössere Geschäftsaufkommen, sondern meist
vielmehr mit fehlender Planung zu erklären. Damit
eben letztlich alles plangemäss läuft, sind gute
Beziehungen mit Lieferanten, Kunden oder auch Behörden
besonders wichtig. 'Guanxi' nennt man dies auf
Chinesisch. Im Vordergrund stehen dabei immer die
Person und viel weniger das Unternehmen.
Autor: Reto Lüchinger
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