Erfahrungen von Schweizer KMU in Südosteuropa
Daniel Isler |
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Der starke Franken verteuert viele Schweizer Exportprodukte so sehr, dass sie in ausländischen Märkten keine Chance mehr haben. Immer mehr produzierende KMU sehen sich gezwungen, den firmenpolitisch heiklen Entscheid zu treffen, Teile ihrer Produktion in günstigere Produktionsländer auszulagern. In den südosteuropäischen Ländern liegen die Arbeitskosten unter 20 Prozent des Schweizer Niveaus. Dies wird sich in den nächsten zehn Jahren nicht markant ändern.
Sorgfältige Evaluation
Die Infrastruktur, das Fachwissen und die Arbeitskultur in südosteuropäischen Produktionsbetrieben sind gegenüber Schweizer Verhältnissen rund 20 Jahre im Rückstand, holen aber zügig auf. Es gibt bereits diverse Erfolgsgeschichten von Schweizer Unternehmen mit ausgelagerten Produktionen in Rumänien, Bulgarien und anderen Balkanländern. Das Finden der richtigen Infrastruktur, Partner und Mitarbeiter gleicht aber immer noch einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nachfolgend einige Erkenntnisse von Schweizer KMU, die bereits erfolgreich in Südosteuropa produzieren oder beschaffen.
Mitarbeiterqualität
Die schulischen Bildungsniveaus sind trotz Bologna-Standard nicht vergleichbar mit den unsrigen. In Produktionsbetrieben gibt es praktisch nur angelerntes Personal. Auch bei der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und der Machbarkeit von Aufgaben können Sie nicht von Schweizer Massstäben ausgehen. «Kein Problem!» oder «absolut spätester Termin» darf man nie wörtlich nehmen. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist es, einen fähigen Mitarbeiter aus dem Schweizer Stammhaus während der ersten Jahre in den ausgelagerten Betrieb entsenden zu können, um die fremden Mitarbeiter permanent anzuleiten, anzutreiben und zu kontrollieren.
Geschäftskultur
Aufgrund der niedrigen Rechtssicherheit sollte man nicht auf lokale Gerichte vertrauen, sondern sich für Streitfälle auf Schlichtungsstellen ausserhalb Osteuropas einigen. Hilfreich sind lokale Buchhalter, die das Firmenkonstrukt optimal auf die jeweiligen Steuergesetze anpassen kön- nen. Finanzierungen durch lokale Banken sind auch mit soliden Sicherheiten kaum realisierbar. Will man ein lo- kales Unternehmen akquirieren, so sollte man nur dessen Aktivposten übernehmen, nicht dessen Aktien. Verhan- deln Sie nur direkt mit den Inhabern. Lehnen Sie jeden Bestechungsversuch sofort und entschieden ab. Machen Sie sich in der Öffentlichkeit einen Namen als unbe- stechlicher Schweizer. Das kostet Sie am Anfang den einen oder anderen Kontakt, sichert Ihnen aber langfristig den Erfolg.
Daniel Isler ist Geschäftsführer der Fargate AG, des grössten privaten Exportfördernetzwerks mit 150 Geschäftsanbahnungs-Agenten in 50 Ländern. |