|
Unternehmen
Exportförderung: Bank und
Ex-Botschafter an Bord
Das erste Projekt der Osec mit
Privaten, eine Beraterdatenbank für KMU, gedeiht
ganz im Sinne von CEO Daniel Küng. Ex-Botschafter
Thomas Borer-Fielding ziert die Adresskartei und die
Grossbank UBS wird neuer Sponsor.
Alice Chalupny
Osec-Chef Daniel Küng hat zwei
wertvolle Zugpferde vor sein Vehikel spannen können.
Der Chef der staatlichen Exportförderorganisation
hat für seinen «Osec Pool of Experts», eine
Beraterdatenbank für KMU, die UBS als Sponsor
gewinnen können (siehe auch Kasten). Zudem ziert
der Strategieberater Thomas Borer-Fielding (49),
ehemals Kadermann im Aussenministerium (EDA) und
Schweizer Botschafter in Deutschland, seit
vergangenem Juni die Adresskartei des Pools. Laut
Profil bietet Borer als Experte für die USA,
Grossbritannien, Russland und Deutschland
Dienstleistungen mit Schwerpunkt Financing und
Investment an.
Auf sein Engagement
angesprochen, reagiert Borer zunächst überrascht.
Von seinem Auftritt als Experte habe er nichts
gewusst, sagt er, schlägt dann aber versöhnliche Töne
an: «Ich erwarte keine neuen Aufträge oder
Mandate, sondern möchte das Netzwerk und damit auch
die Osec unterstützen.» Borer war bereits beim
Kick-off des Pools im Oktober 2005 als Referent
aufgetreten. Er verspüre eine «emotional-staatspolitische
Verbundenheit» mit der Osec, gesteht er.
Neuausrichtung vorgespurt
Borer war 1996 als
stellvertretender EDA-Generalsekretär mit der
Reform des als schwerfällig geltenden
Aussenministeriums betraut worden und dachte dabei
auch über eine Neuausrichtung der Osec nach. Um die
Interessen des Wirtschaftsstandortes Schweiz
effizienter wahren zu können, sollten die Synergien
zwischen den Aktivitäten des EDA, des Bundesamtes für
Aussenwirtschaft, der Osec und von Swiss Tourismus
besser genutzt werden, schlug Borer damals vor.
Weltfremde Diplomaten sollten zu kunden- und
wirtschaftsfreundlichen Managern getrimmt, das EDA
nach den Ideen des New Public Management bürokratisch
entschlackt werden. Klar, dass Borers Stil nicht
allen Mitarbeitern passte.
Auch Osec-CEO Daniel Küng
musste seine progressiven Ideen erst einmal
durchsetzen. Etwa gegen interne Widerstände aus der
Ära seines Vorgängers Balz Hösly. Küng will sich
bei der grossangelegten Neugestaltung der Schweizer
Aussenhandelsinstrumente wie der Osec profilieren.
Dafür treibt er mehrere Projekte voran, etwa den «Pool
of Experts». Oder die Expansion der Schweizer
Anlaufstellen für KMU, genannt «Swiss Business
Hubs», die vorwiegend in den Schweizer Botschaften
im Ausland angesiedelt sind. Wenn Küngs Reformpläne
funktionieren, kann er sich bei Bundesrat und
Parlament zu Höherem empfehlen.
Der Bundesrat denkt derzeit darüber
nach, ob die drei Aussenhandelsinstrumente Osec,
Sofi (Investitionsförderung) und Sippo (Importförderung)
zu einer übergreifenden Aussenhandelsplattform
fusioniert werden sollen. In einem ersten Schritt
liess Wirtschaftsminister Joseph Deiss im Mai 2006
einen Dachverein gründen. Kommt es zur Fusion, gilt
Küng schon heute als Spitzenkandidat für den
CEO-Posten.
EDA-Kenner Borer jedenfalls
verteilt Küng gute Noten für seine bisherige
Leistung. «Ich halte das Osec-Netzwerk für ein
sehr gutes Instrument zur Förderung des Exports»,
lobt Borer. «Gerade KMU, die über keine oder wenig
Auslanderfahrung verfügen und eine Anlaufstelle benötigen,
finden mit der Osec eine qualifizierte Partnerin.»
Mit der Bank und dem
Ex-Botschafter könnte es gelingen, mehr Benutzer
auf die Plattform zu locken. Osec-Projektmanagerin
Katalin Dreher registriert zwar eine wachsende Zahl
von Experten - mittlerweile sind knapp 300 Berater
gelistet, Ende Mai 2006 waren es erst 200. Doch die
Zahl der Besucher stagnierte in derselben
Vergleichsperiode bei 130 pro Tag. Dies, obwohl die
Osec in der Zwischenzeit zahlreiche
Marketingmassnahmen ergriffen hat. «Wir waren in
den KMU-Foren sehr aktiv, haben das Online-Marketing
ausgebaut und in den KMU-Medien Inserate schalten
lassen», berichtet Dreher. Dennoch zeigt sich die
Projektmanagerin mit der Zwischenbilanz zufrieden.
«Wir werden sicher weitere Fortschritte machen»,
glaubt sie.
Kunden sollen bewerten können
vertiefte Qualitätskontrolle
der gelisteten Experten. Derzeit werden zwar deren
Websites, Telefonnummern und Kontaktadressen überprüft,
die angebotenen Dienstleistungen hingegen nicht.
Probleme mit unzufriedenen Benutzern gab es noch
nicht. «Aber das Thema beschäftigt uns», gesteht
Dreher. Man denkt deshalb darüber nach, ein
Rating-System einzuführen, mit dem Osec-Kunden ihre
Dienstleister bewerten können. Wann die Bewertungsmöglichkeit
eingeführt wird, ist noch offen.
Das Projekt der Osec
Verzeichnis für KMU auf
Beratersuche
Joint
Venture: Der Pool of Experts ist ein
Gemeinschaftsprojekt der staatlichen
Exportförderorganisation Osec, der Swiss-American
Chamber of Commerce und der Privatdienstleister Fargate
und Flare International. Das Joint Venture, lanciert
im Oktober 2005, gilt als Versuchsballon von
Osec-CEO Daniel Küng, dessen Ziel es ist,
verstärkt Private und Handelskammern in die
Exportförderung einzubinden. Bis Ende 2007 wird der
Pool mit Geldern aus dem Leistungsauftrag des Bundes
finanziert - derzeit bezieht die Osec rund 17 Mio.
CHF pro Jahr.
Kostenlose Datenbank: Der
Expertenpool bietet Unternehmern Zugang zu knapp 300
Internationalisierungsspezialisten, die bei
Expertenfragen aller Art beraten und Lösungen
anbieten. Die Benutzung der Suchmaschine ist
kostenlos, die Experten zahlen für das Listing eine
Gebühr. Leistung und Preis der Beratung verhandeln
Kunde und Berater bilateral.
Das Engagement der UBS
Partnerschaft umfasst
verschiedene Projekte
Absicht: Osec will mit der
Partnerschaft mit der UBS gemäss eigenen Aussagen
"ihre Position als erste Adresse für die
schweizerische Aussenhandelsförderung
festigen".
Bis Ende 2008: Die
Projektbezogene Partnerschaft dauert vorerst bis
Ende 2008 und kann dann jeweils um ein Jahr
verlängert werden. Ein Ziel ist dabei die
Synergienutzung des Know-hows in Sachen Export- und
Aussenwirtschaft und bei Unternehmensfinanzierungen.
Unterstützung: Die UBS
wird die Osec jeweils finanziell beim Forum der
Aussenwirtschaft unterstützen, das nächstes Mal am
27. und 28. März 2007 stattfinden wird.
Schwerpunktthema ist der indische Markt. Auch bei
anderen Veranstaltungen arbeiten die Osec und UBS
zusammen. Die Grossbank sponsert auch die
verschiedenen von Osec geführten
Online-Plattformen.
|