Exportförderung:
Expertenpool als erster Prüfstein
Die Osec präsentiert ein
erstes Projekt mit Privaten. Damit rückt CEO Daniel
Küng seinem Ziel, die Osec zu einer
Netzwerkplattform zu machen, ein Stück näher.
Alice Chalupny
Daniel Küng war angetreten, um
als neuer CEO das angeschlagene Image der
staatlichen Exportförderorganisation Osec zu
retten. Seine Strategie: Eine Öffnung des
abgeschotteten Betriebs und, als zweiter Schritt,
die Einbindung «aller Stakeholder» (Küng). Dazu
gehören Berater,Partner im Aussennetz,
Handelskammern und sonstige Interessenten. Heute,
zwei Jahre später, präsentiert die Osec gemeinsam
mit privaten Partnern ein erstes grösseres Projekt.
Damit beweist Küng , dass er seine Pläne, auch
gegen interne Widerstände aus der Ära seines Vorgängers
BalzHösly, durchgesetzt hat.
Über 200 Spezialisten
gelistet
Konkret geht es um einen
Online-Expertenpool in Form einer Datenbank, wo sich
Unterneh-men kostenlosKontaktadressen beschaffen können.
Laut «Pool of Experts»-Managerin Katalin Dreher
haben sich bisher über 200
Internationalisierungs-Spezialisten aus demIn- und
Ausland listen lassen. Getragen
wird das Beraterverzeichnis von der
schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, zwei
Privatdienstleistern im Exportbereich, der Zürcher Fargate
AG, der US-Gesellschaft Flare International sowie
der Osec. Diese betreut denExpertenpool zudem auf
operativer Ebene.
Aufbau innert zweier Jahre
Die Idee des virtuellen
Expertenverzeichnisses ist nicht neu. Bereits 2002
gründete die Osec einen Expertenpool. Der galt
allerdings als exklusiv und bot exportierenden KMU
kaumZugangsmöglichkeiten. Das war dem
Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, mit der
strategischen Oberaufsicht über die Osec betraut,
ein Dorn im Auge. Nach Amtsantritt von Daniel Küng
Mitte 2004 erteilte das Seco die Weisung, das
bestehende Expertennetzwerk auf eine breitere Basis
zu stellen. Dem erfahrenenNetzwerker Küng gelang es
binnen zweier Jahre, das Osec-Netz mit einem ähnlichen,
aber privaten Angebot aus dem
schweizerisch-amerikanischen Raum zu verschmelzen.
Im Oktober 2005 schaltete die Osec den«Pool of
Experts» auf. Jetzt startet die Marketingphase.
Nach ersten Präsentationen an KMU-Events
verzeichnet die Homepage laut Projektmanagerin
Katalin Dreher rund 3000 Besucher pro Monat, Tendenz
steigend.
In den nächsten beidenJahren
gilt die Finanzierung des Projekts dank den Geldern
aus dem Leistungsauftrag als gesichert. Doch dem
Vernehmen nach kümmert sich die Osec um weitere
Quellen: Es sollen bereits Gespräche mit möglichen
Sponsoren laufen.
Auftritt zum richtigen
Zeitpunkt
Osec-Chef Daniel Küng lässt
den «Pool of Experts» zum richtigen Zeitpunkt
bewerben. Mitten in der emotionsgeladenen Debatte über
eine allfällige Fusion der drei staatlichen
Aussenhandelsinstrumente des Bundes Osec, Sippo
und Sofi (siehe Ausgabe der «Handelszeitung» vom
24.Mai 2006) profiliert sich Küng als Reformer
und punktet mit kreativenIdeen in der nationalen
Politszene. Diese Kreise sind es, die später über
die Spitzenbesetzung einer fusionierten
Aussenhan-delsplattform entscheiden werden.
Wie eine «Spinne im Netz»
Sollte sich der Expertenpool
amMarkt bewähren, können weitere Projekte mit
Privatanbietern folgen. Küng wäre dann seinem
Ziel, eine Aussenhandelsplattform mit
Netzwerkcharakter zu formen, einen grossen Schritt näher
gekommen. Beim Seco verfolgt man den Wandel der Osec
mit Befriedigung. Und auch die private Seite ist
begeistert:«Unter Daniel Küng entwickelt sich die
Osec zu einer Plattform, auf der sich private
Anbieter bewegen können», lobt Martin Naville, CEO
der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer. Die
Osec habe dank der neuen Führung viel von ihrer
Gestaltungsmacht abgegeben. Davor habe sich dieOsec
eher wie eine «Spinne imNetz» (Naville) verhalten.
Das Gemeinschaftsprojekt beweise nun, dass Küng den
angekündigten Richtungswechsel tatsächlich
vollziehe.
www.poolofexperts.ch
Verzeichnis für KMU auf
Beratersuche
JointVenture
Der Pool
of Experts ist ein Gemeinschaftsprojekt der
staatlichen Exportförderorganisation Osec, der
Swiss-American Chamber ob Commerce sowie der
Privatdienstleister Fargate
und Flare International. Das JointVenture gilt als
Versuchsballon von Osec-CEO Daniel Küng, dessen
Ziel es ist, künftig verstärkt Private
undHandelskammern in die Exportförderung
einzubinden.
Kostenlose Datenbank
Der Expertenpool bietet
Unternehmern Zugang zu über 200
Internationalisierungsspezialisten, die bei
Exportfragen beraten und Lösungen anbieten. Die
Benutzung der Suchmaschine ist kostenlos, die
Experten zahlen eine Gebühr.
Kommentar: Eine
Anlaufstelle für den Export
Schweizer Unternehmen klagen
seit Jahren über den Wust staatlicher Exportförderinstrumente.
Der Bund hat nun einen ersten Schritt gemacht: Er
will drei der Agenturen, darunter die wichtige
Exportförderorganisation Osec, unter ein Dach
bringen und danach über eine Verschmelzung
nachdenken. Osec-CEO Daniel Küng zieht mit:Er
bindet Private verstärkt ein, steuert die Osec aus
dem Dienstleistungsbereich und entschärft damit die
Konkurrenzsituation mit Privaten. Das macht Sinn,
genügt aber nicht. Statt unabhängig agierende
Organisationen braucht es eine übergreifende
Aussenhandelsplattform, die koordiniert und unterstützt.
Denn kleine und mittlereBetriebe, die den Weg ins
Ausland suchen, wünschen einen und nur einen
Ansprechpartner, der rasch auf ein kompetentes
Netzwerk zurückgreifen kann.
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