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Handelszeitung · 30. Mai 2006

Exportförderung: Expertenpool als erster Prüfstein

Die Osec präsentiert ein erstes Projekt mit Privaten. Damit rückt CEO Daniel Küng seinem Ziel, die Osec zu einer Netzwerkplattform zu machen, ein Stück näher.

Alice Chalupny

Daniel Küng war angetreten, um als neuer CEO das angeschlagene Image der staatlichen Exportförderorganisation Osec zu retten. Seine Strategie: Eine Öffnung des abgeschotteten Betriebs und, als zweiter Schritt, die Einbindung «aller Stakeholder» (Küng). Dazu gehören Berater,Partner im Aussennetz, Handelskammern und sonstige Interessenten. Heute, zwei Jahre später, präsentiert die Osec gemeinsam mit privaten Partnern ein erstes grösseres Projekt. Damit beweist Küng , dass er seine Pläne, auch gegen interne Widerstände aus der Ära seines Vorgängers BalzHösly, durchgesetzt hat.

Über 200 Spezialisten gelistet

Konkret geht es um einen Online-Expertenpool in Form einer Datenbank, wo sich Unterneh-men kostenlosKontaktadressen beschaffen können. Laut «Pool of Experts»-Managerin Katalin Dreher haben sich bisher über 200 Internationalisierungs-Spezialisten aus demIn- und Ausland listen lassen. Getragen wird das Beraterverzeichnis von der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, zwei Privatdienstleistern im Exportbereich, der Zürcher Fargate AG, der US-Gesellschaft Flare International sowie der Osec. Diese betreut denExpertenpool zudem auf operativer Ebene.

Aufbau innert zweier Jahre

Die Idee des virtuellen Expertenverzeichnisses ist nicht neu. Bereits 2002 gründete die Osec einen Expertenpool. Der galt allerdings als exklusiv und bot exportierenden KMU kaumZugangsmöglichkeiten. Das war dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, mit der strategischen Oberaufsicht über die Osec betraut, ein Dorn im Auge. Nach Amtsantritt von Daniel Küng Mitte 2004 erteilte das Seco die Weisung, das bestehende Expertennetzwerk auf eine breitere Basis zu stellen. Dem erfahrenenNetzwerker Küng gelang es binnen zweier Jahre, das Osec-Netz mit einem ähnlichen, aber privaten Angebot aus dem schweizerisch-amerikanischen Raum zu verschmelzen. Im Oktober 2005 schaltete die Osec den«Pool of Experts» auf. Jetzt startet die Marketingphase. Nach ersten Präsentationen an KMU-Events verzeichnet die Homepage laut Projektmanagerin Katalin Dreher rund 3000 Besucher pro Monat, Tendenz steigend.

In den nächsten beidenJahren gilt die Finanzierung des Projekts dank den Geldern aus dem Leistungsauftrag als gesichert. Doch dem Vernehmen nach kümmert sich die Osec um weitere Quellen: Es sollen bereits Gespräche mit möglichen Sponsoren laufen.

Auftritt zum richtigen Zeitpunkt

Osec-Chef Daniel Küng lässt den «Pool of Experts» zum richtigen Zeitpunkt bewerben. Mitten in der emotionsgeladenen Debatte über eine allfällige Fusion der drei staatlichen Aussenhandelsinstrumente des Bundes ­ Osec, Sippo und Sofi (siehe Ausgabe der «Handelszeitung» vom 24.Mai 2006) ­ profiliert sich Küng als Reformer und punktet mit kreativenIdeen in der nationalen Politszene. Diese Kreise sind es, die später über die Spitzenbesetzung einer fusionierten Aussenhan-delsplattform entscheiden werden.

Wie eine «Spinne im Netz»

Sollte sich der Expertenpool amMarkt bewähren, können weitere Projekte mit Privatanbietern folgen. Küng wäre dann seinem Ziel, eine Aussenhandelsplattform mit Netzwerkcharakter zu formen, einen grossen Schritt näher gekommen. Beim Seco verfolgt man den Wandel der Osec mit Befriedigung. Und auch die private Seite ist begeistert:«Unter Daniel Küng entwickelt sich die Osec zu einer Plattform, auf der sich private Anbieter bewegen können», lobt Martin Naville, CEO der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer. Die Osec habe dank der neuen Führung viel von ihrer Gestaltungsmacht abgegeben. Davor habe sich dieOsec eher wie eine «Spinne imNetz» (Naville) verhalten. Das Gemeinschaftsprojekt beweise nun, dass Küng den angekündigten Richtungswechsel tatsächlich vollziehe.

www.poolofexperts.ch


Verzeichnis für KMU auf Beratersuche

JointVenture

Der Pool of Experts ist ein Gemeinschaftsprojekt der staatlichen Exportförderorganisation Osec, der Swiss-American Chamber ob Commerce sowie der Privatdienstleister Fargate und Flare International. Das JointVenture gilt als Versuchsballon von Osec-CEO Daniel Küng, dessen Ziel es ist, künftig verstärkt Private undHandelskammern in die Exportförderung einzubinden.

Kostenlose Datenbank

Der Expertenpool bietet Unternehmern Zugang zu über 200 Internationalisierungsspezialisten, die bei Exportfragen beraten und Lösungen anbieten. Die Benutzung der Suchmaschine ist kostenlos, die Experten zahlen eine Gebühr.


Kommentar: Eine Anlaufstelle für den Export

Schweizer Unternehmen klagen seit Jahren über den Wust staatlicher Exportförderinstrumente. Der Bund hat nun einen ersten Schritt gemacht: Er will drei der Agenturen, darunter die wichtige Exportförderorganisation Osec, unter ein Dach bringen und danach über eine Verschmelzung nachdenken. Osec-CEO Daniel Küng zieht mit:Er bindet Private verstärkt ein, steuert die Osec aus dem Dienstleistungsbereich und entschärft damit die Konkurrenzsituation mit Privaten. Das macht Sinn, genügt aber nicht. Statt unabhängig agierende Organisationen braucht es eine übergreifende Aussenhandelsplattform, die koordiniert und unterstützt. Denn kleine und mittlereBetriebe, die den Weg ins Ausland suchen, wünschen einen und nur einen Ansprechpartner, der rasch auf ein kompetentes Netzwerk zurückgreifen kann.

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