Exportförderung:
Osec-CEO will Hubs in Asien verstärken
Der Bund will Unternehmer auf
dem Weg nach Fernost unterstützen. Gerade dort sind
seine Instrumente aber äusserst dürftig
ausgestaltet.
Alice Chalupny
China und Indien spielen für
die Schweizer Exportwirtschaft eine herausragende
Rolle, erkannte Wirtschaftsminister Joseph Deiss. «Den
beiden aufstrebenden Wirtschaftsmächten», lässt
er im Bericht zur Aussenwirtschaft vom Januar 2006
verlauten, «kommt im Rahmen der Strategie des
Bundesrates eine besondere Bedeutung zu.» Schweizer
Unternehmen sollen auf dem Weg nach Fernost unterstützt
werden, etwa mit staatlichen Instrumenten wie der
Osec. Die Exportförderungsorganisation verfügt
weltweit über 15 Swiss Business Hubs, mit denen sie
vorwiegend KMU beim Markteintritt unterstützen
soll. Wer nach Asien will, kann sich in Peking,
Mumbai und Singapur melden.
Soweit die Theorie. «Wir
arbeiten 12 bis 14 Stunden pro Tag», klagt Beat Bürgi,
Leiter des Swiss Business Hubs in Peking. Pro Tag
wird das sechsköpfige Team mit 30 bis 50 Anfragen
aus allen Branchen bombardiert. Ob Tourismus,
Lebensmittel, Eisenbahnausrüstungen oder Maschinen
inklusive Ersatzteile: Bürgi und seine Angestellten
sie bilden heute 4,5 Vollzeitstellen tragen so
gut es geht Informationen zum Riesenmarkt China
zusammen, um den Unternehmen einen ersten Überblick
verschaffen zu können. Was Bürgi ärgert: Mancher
Kleinunternehmer, der sich hoffnungsvoll an den
Business Hub wendet, wird enttäuscht. «Die
Anfragen bleiben bei uns hängen, weil wir völlig
überlastet sind», erklärt Bürgi. «Eine seriöse
Marktanalyse braucht einfach ihre Zeit», ergänzt
Hub-Vizechefin Lei Xin.
Umverteilen statt ausbauen
Bürgi wünscht sich für seinen
Hub in einem ersten Schritt «drei bis vier» zusätzliche
Angestellte. «Nur so könnten wir uns auf stark
nachgefragte Branchen spezialisieren und effizienter
recherchieren», argumentiert er. Alles andere
ergebe aus seinen Augen wenig Sinn. Woher die nötigen
Mittel für die Personalaufstockung in Fernost
kommen sollen, weiss Bürgi bereits. «Andere Hubs,
etwa in den Nachbarländern der Schweiz, sind im
Verhältnis besser ausgestattet», sagt Bürgi und
schlägt eine Personalverlagerung zugunsten der Hubs
in den aufstrebenden Märkten vor. Die Forderung
wird von schweiznahen Hubs erwartungsgemäss zurückgewiesen.
«KMU ohne Exporterfahrung wagen sich nicht gleich
nach Asien», argumentiert Jürg Schweri,
Hub-Vizechef in Wien, «sondern machen den ersten
Schritt ins benachbarte Ausland.»
Das sieht Osec-CEO Daniel Küng
anders: «Die räumliche Distanz zum Exportmarkt
spielt in Zeiten der Globalisierung kaum noch eine
Rolle», sagt der ehemalige Unternehmensberater. «Heute
entscheiden sich Unternehmen für den Markt mit den
besten Möglichkeiten.» Aufgabe der Business Hubs
sei es, sie beim Eintritt in wenig erschlossene Märkte
zu unterstützen. «Wer Support im benachbarten
Ausland benötigt, findet ein breites Informations-
und Beratungsangebot von privater Seite», weiss Küng.
Deshalb habe die Osec entschieden, je eine Vakanz in
den Hubs in Stuttgart und Paris nicht mehr zu
besetzen. Heute verfügt Stuttgart über drei
Mitarbeiter, Paris über zwei. Mit den dadurch
eingesparten Kosten wolle man die Anlaufstellen in
China, Indien und den Vereinigten Arabischen
Emiraten mit 6 bis 8 Angestellten ausbauen. Eine
Mittelaufstockung seitens des Bundes erwartet Küng
nicht. «Kompensieren ist nur die zweitbeste Lösung»,
so der Osec-CEO, «doch eine Bessere gibt es heute
nicht.»
Mittelfristig dürfte sich die
Struktur der Osec ohnehin verändern. Der Bund
fordert weitere Verbesserungen in Bezug auf die
Netzwerkfunktion. Das heisst: Künftig wird die Osec
auch daran gemessen, wie gut sie ihre Stützpunkte
im In- und Ausland mit denHandelskammern und den
privaten Dienstleistern vernetzt. Ein besonders
heisses Eisen ist in diesem Zusammenhang die
Kooperation derOsec mit dem Aussenministerium (EDA).
Die Mehrheit der Business-Hub-Angestellten werden
vom EDA bezahlt, weil sie den Botschaften
angegliedert sind. Eine teure Angelegenheit, wie die
Eidgenössische Finanzkontrolle im Auftrag des
Bundes festgestellt hat. Ihre Empfehlung: Die
Personalmittel sollen vom EDA an die Osec übertragen
werden. Zudem bringt der komplexe Mix aus
EDA-Personal, Osec-Angestellten und lokalen
Mitarbeitern ein aufwendiges und damit
kostenintensives Schnittstellenmanagement mit sich
und befeuert zahlreiche Konflikte: Die Osec muss mit
dem EDA inPersonalfragen kooperieren, ohne über
Weisungsbefugnisse zu verfügen.
Osec-CEO Daniel Küng bestätigt
dies zwar. Er ergänzt aber, dass die
EDA-Mitarbeiter wegen ihrer Anstellung bei der
jeweiligen Schweizer Botschaft in vielen Ländern
schnelleren Zugang zu den Behörden finden. «Dies
ist besonders in Asien und Südamerika wichtig»,
betont Küng. Ausserdem schätzen es Unternehmer, im
Ausland einen Schweizer Ansprechpartner zu haben.
Aber, ergänzt Küng: «Die Frage nach lokalen,
statt Schweizer Hubleitern soll gestellt werden dürfen.»
Instrumente zur Exportförderung
gründen eine Dachgesellschaft
Die drei zentralen
Bundesinstrumente zur Unterstützung der
Aussenwirtschaft werden gebündelt: Die beim
Staatssekretariat für Wirtschaft angegliederten
Organisationen Osec (Exportförderung), Sofi
(Investitionsförderung) und Sippo (Importförderung)
gründen laut Wirtschaftminister Joseph Deiss bis im
Sommer einen gemeinsamen Verein. Durch die
Konzentration der Kräfte will der Bund jährlich
bis zu 20% einsparen. Die Osec mit Sitz in Zürich
erhält heute im Rahmen ihres Leistungsauftrags gut
17 Mio Fr. pro Jahr. Sofi und Sippo beziehen
zusammen 11 Mio Fr. Für die drei Förderinstrumente
sind weltweit rund 80 Angestellte tätig. In einer
zweiten Phase will der Bundesrat prüfen, wie weit
die Zusammenarbeit der Osec, Sofi und Sippo vertieft
werden oder ob ein vollständiger Zusammenschluss
dieser Organisationen angestrebt werden soll.
Simple Sparrunde befürchtet
Die Bündelung der drei
Instrumente findet nicht nur Befürworter.
Sippo-Direktor Markus Stern argumentierte in der «NeuenZürcher
Zeitung», dass die erst vor einigen Jahren
vollzogene Trennung zwischen Import- und Exportförderung
Klarheit über die jeweiligen Mandate der
Organisationen geschaffen habe. Jürg Schweri,
Vizechef des Wiener Business Hubs und Präsident des
Auslandhandelskammerverbandes Swisscham, befürchtet
hinter der Kräftebündelung eine simple
Sparmassnahme des Bundes. Die Zusammenführung der
Instrumente mache nur Sinn, warnt Schweri, «wenn
die frei werdenden Mittel in den dringend
erforderlichen Ausbau der Exportförderung
investiert werden».
Private kritisieren Osec
Auch das Nebeneinander der Förderungsinstrumente
wird regelmässig kritisiert. Vor allem die Osec
wird in Wirtschaftskreisen angegriffen: Der private
Verband für Bildung in der Aussenwirtschaft,
Educonomy, klagt, die Osec biete über ihre
Mitarbeiter, welche die «School for International
Business» gegründet hätten, eine
Aussenwirtschaftsausbildung an und konkurrenziere
damit indirekt private Angebote. Der
private Exportförderer Fargate
sieht in den Business Hubs zwar nach wie vor eine
Kopie des eigenen Geschäftsmodells Fargate
unterhält selber 150 Stützpunkte in 40 Ländern.
Doch nach einigen angespannten Jahren hat sich das
Verhältnis mit dem Weggang von Ex-Osec-CEO Balz Hösly
entspannt. «Wir haben positive Erfahrungen mit dem
neuen CEO Daniel Küng gemacht», lobt Fargate-Chef
Daniel Isler. Küngs Strategie: Er fördert den
Einbezug von privaten Anbietern ins
Osec-Business-Network.
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