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Cash · 25. Januar 2002

Früh zeigt sich, was eine Firma bleiben kann

Wie ein Start-up die verflixten ersten fünf Jahre überlebt.

Was macht ein Jungunternehmen langfristig erfolgreich? Wie müssen Unternehmer ticken, damit sie das fünfte Firmenjubiläum erleben? Die kritischen Phasen werden am Beispiel der Fargate AG illustriert.

«Nur knapp die Hälfte der frisch gegründeten Unternehmen wird fünf Jahre alt», sagt Ernst Wüthrich. «Andere sind einigermassen oder recht erfolgreich, aber nur wenige schaffen den Durchbruch zum Dauererfolg.» Der Leiter der Unternehmerschule Schweiz (USS) an der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz in Olten ist überzeugt, dass die schwierigste Phase im Leben einer Firma nicht die Gründung und die Zeit unmittelbar danach betrifft. «Die Weichen werden nach zwei, drei Jahren gestellt, wenn es darum geht, dem Unternehmen dauerhafte Strukturen zu geben.»

Ist das Produkt einmalig? Das Unternehmen von Heinz Zürcher und Daniel Isler hat die Fünfjahreshürde genommen. Die beiden gründeten 1996 die Pilotfirma Tozai Group AG, die sie 1998 in die heutige Fargate AG überführten. Was braucht es, um als Firma und als Unternehmer erfolgreich zu sein? «Ein einzigartiges Produkt oder eine einmalige Dienstleistung», sagt Daniel Isler. Bei Fargate besteht die Geschäftsidee darin, für Schweizer KMU eine Brücke zu Märkten im Ausland und in Übersee zu bauen. Ausgehend von der ursprünglichen Basis Japan, hat Fargate heute über 100 Satelliten in 38 Ländern auf allen Kontinenten unter Vertrag. «Unsere lokalen Partner klären die Chancen der Produkte im jeweiligen Land ab und übernehmen dann gleich selbst die eigentliche Marktbearbeitung bis hin zum Vertragsabschluss mit den ausländischen Marktpartnern», sagt Isler.

Ist der Nutzen offensichtlich? Ein Nischenprodukt allein genügt nicht. Eine Geschäftsidee kann laut Isler nur funktionieren, wenn sie auf einem einfachen Grundprinzip beruht und für alle einen offensichtlichen Nutzen bringt. Bei Fargate zeigt sich das auch im einfachen Honorierungssystem. «Erst wenn unsere Kunden verdienen, verdienen auch wir und unsere Satelliten», meint Isler. Das Honorierungssystem ist transparent: Allen Partnern ist klar, wer in welcher Phase wie viel Erfolgsprovision zugute hat.

Ergänzt sich das Managementteam? Eine gute Geschäftsidee ist nur ein Teil des Erfolgs. Der andere ist der Unternehmer. «Wir haben so richtig garagemässig aus dem Nichts angefangen und über ein Jahr lang praktisch keinen Lohn bezogen», erzählt Isler. Das heisst, dass es zum Erfolg oft einen überdurchschnittlichen Willen braucht. Den beiden kam auch zustatten, dass sie sehr ungleiche Persönlichkeiten sind: Isler ist der solide Ingenieur, Zürcher der gewiefte Verkäufer. Das gegenseitige Vertrauen ist gross, und sie halten eine gute Portion an konstruktiver Spannung aus. «Wir haben nicht immer den gleichen Standpunkt», sagt er. «Nach fairem Ringen um die beste Lösung weiss aber jeder von uns, dass er die Aspekte einbringen konnte, die ihm wichtig sind, und dass man den optimalen Weg eingeschlagen hat.»

Sind Investoren tatsächlich erwünscht? In der Bewahrung des Realitätssinns dürfte einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Jungunternehmens liegen. Isler erinnert sich: «Plötzlich waren da Investoren, wir kamen zu denen wie die Jungfrau zum Kind. Da hatten wir das Gefühl: Jetzt geht die Post so richtig ab!» Mit dem Geld sollte das globale Agenturnetz ausgebaut werden. Aber just zu dieser Zeit standen viele potenzielle Auftraggeber auf die Investitionsbremse. Statt das Geld für ein umfassendes Marketing zu verwenden, setzten die beiden auch bei gemässigtem Kundengang auf ein graduelles Wachstum: Vom auf fünf Millionen Franken angewachsenen Aktienkapital zahlten sie vier an die Investoren zurück und zeigten so, dass sie nicht am schnellen Geld, sondern an einem nachhaltigen Aufbau ihrer Firma interessiert sind. Die Firma floriert dank der Spezialisation seiner Mitarbeitenden. Ihre Strukturen müssen über Personen wachsen, sowohl im schweizerischen Hauptsitz, der zurzeit zehn Personen beschäftigt, wie auch in den Satelliten.

Den Erfahrungen, die die beiden Jungunternehmer und Absolventen der USS in dieser Zeit gemacht haben, kommt fast Lehrbuchcharakter zu.

Die ersten fünf Jahre sind entscheidend

Firmenalter (Jahre):

< 1

1 - 2 

2 - 5

5 - 10

10 - 20

>20

Anteil Konkurse:

5,5 %

14,2 %

27,5 %

19,6 %

18,5 %

14,7 %

Fast die Hälfte aller Unternehmen, die im Jahr 2001 Konkurs anmeldeten (insgesamt 3613), sind weniger als fünf Jahre alt geworden.

Rudolf Bähler

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